Kontrolle auch am 80. Schwaderlohschiessen
Guido Kressibucher aus dem Weiler Ast zum 20. Mal als Kontrolleur vor Ort
Ohne Kontrolle geht gar nichts, und dies auch im Jahr 2026, am 80igsten Schwaderlohschiessen Ende September. Das sagt einer der es wissen muss, der Mann mit dem Volvo den alle kennen, Guido Kressibucher. Er kontrolliert zum 20igsten Mal die Sportgeräte der rund 800 Teilnehmer.
Er ist immer – und dies ohne Wenn und Aber – auf seinem Posten. Das heisst, er sitzt in seinem Rollstuhl am Eingang zum Gewehrdepot, dort wo die Schützinnen und Schützen ihre Sportgeräte unterbringen bis die Zeit gekommen ist, wo sie in der Feuerlinie antreten müssen. Keiner versucht an Guido vorbeizukommen, denn jeder kennt ihn und seine Stimme, die durchaus etwas lauter werden kann, wenn man versucht ihn zu umgehen.
Von Illighausen zu Neuwilen und Bäärenmos
Mit Jahrgang 1951 musste Guido im Jahr 1971 in die Rekrutenschule einrücken und bekam das Sturmgewehr 57. Schiessen konnte er schon vor der Rekrutenschule (RS), war er doch bereits Mitglied der Schützengesellschaft Illighausen. Dies so lange, bis die SG Illighausen beschloss, per 31.12.2005 den Schiessbetrieb einzustellen. Anschliessend wechselte er zu den Bäärenmos Schützen, denen er bis zum heutigen Tag angehört. Wer ihn aber in der Jahresrangliste sucht, der wird nicht fündig, denn Guido schiesst nur noch die Schnappschiessen, die er mit besonderer Bewilligung aus dem Rollstuhl absolvieren kann.
Alles aus dem Rollstuhl
Der 75jährige Kressibucher, in Ast/Berg wohnhaft, ist alles andere als verbittert trotz seinem Leben, das er seit 1984 aus und mit dem Rollstuhl meistern muss. «Einmal hatte ich enormes Glück, als ich als Dachdecker vom Dach viel und mit geringfügigen Verletzungen bald wieder so hergestellt war, dass ich meinen Beruf weiter ausüben konnte». Zum Verhängnis wurde ihm dann allerdings mit 33 Jahren ein Sturz von einem Birnbaum. «Ich schlug auf und spürte gleichzeitig, wie von der Taille her abwärts das Leben aus mir wich. Ein Kribbeln, welches in den Zehen endete bedeutete für mich, dass ich mich auf ein Leben im Rollstuhl einstellen musste». Die sieben Monate Reha in Basel und der Gedanke an seine Frau und die drei Kinder halfen ihm, sich mit der neuen Situation zurechtzufinden.
Braucht es die Kontrolle wirklich?
«Unbedingt, meint Guido». Die Schützinnen und Schützen sind mit ihren Gedanken meistens schon in der Feuerlinie oder hängen noch dem Vorjahresresultat nach und überlegen was sie diesmal besser machen wollen. Da kann es schon vorkommen, dass die Vorschriften nicht immer zu 100 Prozent eingehalten werden. Nichts Gravierendes oder gar Gefährliches, aber Vorschriften sind dazu um eingehalten zu werden. Gerade weil die Schützen Kontrolleur Guido seit 20 Jahren kennen und wissen, dass seinem kritischen Blick nichts entgeht, werfen sie meistens vorher selber einen prüfenden Blick auf ihr Sportgerät. Dies, bevor es Guido tut, der sicher etwas sieht, das zu einer Beanstandung führen könnte.
Thurgau und Tradition
«Für mich als Thurgauer und Schütze gehört das Schwaderlohschiessen am letzten Wochenende im September einfach dazu, da gibt es kein «Pardon», das ist sowas wie in Stein gemeisselt.» Und so wird Guido am 26. Und 27. September zum 20igsten Mal auf Platz sein und dafür sorgen, dass alles seine Richtigkeit hat und auch das 80igste Schwaderlohschiessen ohne irgendwelche Zwischenfälle in die Geschichte eingehen wird.
Vreny Zaugg

Guido Kressibucher wird auch am 80igsten Schwaderlohschiessen als Kontrolleur amten; und dies zum 20. Mal.
Bild: Vreny Zaugg
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